Lesung Buchsegler

Für Kinderveranstaltungen, die in einem etwas ruhigeren Rahmen ablaufen sollen, möglicherweise in Räumen, die kein wildes Herumtoben zulassen, bietet sich eine spannende Lesung an, um die Kinder zu unterhalten und ihre Aufmerksamkeit zu fesseln.

Die beiden hier vorgestellten, von mir verfassten Geschichten sind im Zusammenhang mit Schatzsuchen entstanden. Sie können mit einer Schatzsuche als krönendem Abschluss kombiniert werden, aber sie funktionieren auch, wenn ich sie einfach nur vorlese.

Die etwas ausführlichere Beschreibung der Schreibwerkstatt zum Thema Berliner Heimatsagen gibt ein Beispiel für meine Herangehensweise, wenn ich auf der Grundlage einer Lesung oder eines literarischen Motivs umfangreichere kreative und interaktive Projekte für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene gestalte.

Flora

und die Rettichräuber

Kinderbild Flora

Dass daraus ein äußerst gefährliches Abenteuer wird, nicht nur, weil ein blutrünstiger Höllenhund die Rettichräuberhöhle bewacht, kann man sich ja denken. Dass Floras Eltern, als sie die nächtliche Abwesenheit ihrer Tochter entdecken, verzweifelt die ganze Gegend absuchen, und dass sie die Existenz von Klabautermännern und Rettichräubern mit guten Gründen bezweifeln, liegt ebenfalls auf der Hand. Dass der Klabautermann erst ganz zum Schluss wieder in das Geschehen eingreifen und der Geschichte ein glückliches Ende geben kann, hat wiederum mit bestimmten Koboldgesetzen zu tun, die einem gutmütigen ehemaligen Schiffskobold manchmal wirklich große Steine in den Weg legen können.

Borkenstück mit Floras Nachricht

Eines Tages bekommen Isabelle und Benedikt einen Brief von der Polizei. Ein gewisser Inspektor Storchschnabel, der angeblich von Kollegen auf ihre besonderen Fähigkeiten als Hobbydetektive aufmerksam gemacht wurde, bittet sie um Mithilfe beim Einfangen mehrerer Kartoffelfrösche. Diese sollen sich schwerer Verbrechen schuldig gemacht haben und anschließend aus polizeilichem Gewahrsam geflüchtet sein. Das links abgebildete Fahndungsfoto liegt dem Brief bei.

Die beiden Geschwister sind in der Tat ausgezeichnete Spürnasen. So finden sie bald heraus, dass es in ihrem Viertel von Kartoffelfröschen nur so wimmelt. Allerdings sind das so putzige, verspielte kleine Wesen, dass man ihnen einfach nichts Böses zutraut. Durch einen Zufall machen Isabelle und Benedikt schließlich die allererstaunlichste Entdeckung: Kartoffelfrösche können auch sprechen! Um ihre Sprache zu verstehen, braucht man nur eine alte Radioantenne und ein Handy mit Kartoffelfrosch-App.

Storch

Zeichnung eines Storchs von Harrison Weir
Erstveröffentlichung: 1895 in The Zoo
Quelle: Reusable Art

Vom Klabautermann ist in den alten Berliner Sagen nicht die Rede. (Einiges über die nord- und niederdeutschen Sagen vom Klabautermann erfahren Sie in seinem Lebenslauf; für weiterführende Lektüre können Sie die kleine Auswahl klabautermannkundlicher Quellen konsultieren, die ich am Ende meiner Klabautermann-Seite zusammengestellt habe).

Dennoch: auch in den Berliner Sagen geht es ziemlich oft um Fischer, Kobolde und Wassergestalten wie die Sakrower Schlangenkönigin, das Wasserfräulein vom Rummelsburger See, oder jenen großen Krebs, der der Stadt Köpenick ihren Namen gegeben haben soll, indem er immerzu „Kööp nich! Kööp nich!“ schrie, als ein Fischer ihn auf dem dortigen Markt verkaufen wollte. „Kauf nicht!“, sollte das heißen, denn der Krebs war eigentlich ein verwunschener Prinz und hielt sich deshalb wohl für unverkäuflich.

Anscheinend hätte der Krebs-Prinz durch den Kuss einer Königstochter erlöst werden können. Weil diese aber nicht vorbeikam, wurde er wütend, kniff den Fischer kräftig in die Nase und übernahm auf gewaltsame Weise die Herrschaft in dessen Haushalt, gar nicht so sehr zum Leidwesen der Fischersfrau, die sich plötzlich wie eine Prinzessin behandelt fühlte.

Krebs

Ebensogut kann es sein, dass der Krebs einfach abhaute, wieder in die Spree sprang und sich mit dem Wasserfräulein vom Rummelsburger See vermählte, welches ihn später vergiftete. Bei einem ihrer berüchtigten mitternächtlichen Besuche der Tanzvergnügen im Dorfkrug zu Stralau schenkte das Wasserfräulein den leblosen Krebspanzer den Stralauer Fischern, die ihn noch jahrhundertelang auf dem Stralauer Fischzug wie eine Trophäe vor sich hertrugen.

Wie sie sehen, birgt so eine alte Sage viele Möglichkeiten für ausufernde Fortsetzungen, und genau dazu erhalten die Teilnehmer/innen einer von mir geleiteten kreativen Schreibwerkstatt Gelegenheit und Anregung. Dabei lassen sich durchaus unterschiedliche Altersgruppen einbeziehen; natürlich gehen Kinder ganz anders an ein Sagenmotiv heran als Erwachsene, und jede altersspezifische Perspektive hat ihren eigenen Reiz.

Speziell für Jugendliche, die sich beispielsweise im Rahmen eines Schulprojektes oder im Geschichtsunterricht mit der Geschichte Berlins beschäftigen, kann die Schreibaufgabe dahingehend konkretisiert werden, dass die fortgesponnene Handlung in eine bestimmte Epoche der Stadtgeschichte führt, oder dass die Sagengestalt in mehreren wichtigen Epochen kurz auftauchen soll, um dann am Ende in der Gegenwart zu landen.

Handpuppe König

Selbstverständlich lese ich auf Ihrer Veranstaltung auch gerne aus anderen Kinderbüchern vor, aus Abenteuererzählungen, Märchen, Gedichten, weihnachtlichen Geschichten oder Sachbüchern, je nachdem, unter welchem Motto die Veranstaltung steht. Ich stehe ebenfalls gerne zur Verfügung, um z. B. in Kooperation mit Kinderbuchhandlungen, Kindergärten oder kleinen Theatern Konzepte für spannende Lesungen zu den unterschiedlichsten Themen und literarischen Motiven zu erarbeiten.

Je nach Wunsch können solche Lesungen mit mehr oder weniger Action für das Publikum verbunden werden. Die interaktiven Ausgestaltungsvarianten reichen von kleinen Suchspielen oder Sprechchören oder dummen Kasperlefragen an die Kinder im Raum über Bastel- und Malaktionen zum Thema der Lesung oder die Verknüpfung der Handlung mit direkt zu erlebenden Abenteuern (Schatszuche, Bewegungsspiele, Verfolgen einer Fährte) bis hin zu einer Einbeziehung der Kinder in die Fortführung oder Ausschmückung der Handlung (Schreibwerkstatt, Aufführung als Theaterstück, Puppentheater oder Improvisationstheater mit Knetfiguren, Erforschung einer im vorgelesenen Text offen gebliebenen Frage …).

Bitte setzen Sie sich mit mir in Verbindung, um an dieser Stelle weiterzuspinnen. Sollten Sie auch nach Lesungen oder Darbietungen suchen, die ausschließlich für ein Erwachsenenpublikum bestimmt sind, dann könnte darüber hinaus ein poetisches Lese- und Ausstellungsprojekt zum Thema
Die Literatur der Bäume oder auch ein unterhaltsamer Vortrag über die wissenschaftliche Klabautermannkunde für Sie von Interesse sein. Bei einer Kontaktaufnahme erzähle ich Ihnen gerne mehr darüber.

Preis: n.V.